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Das erste Jahr mit einem Dackel

Seit meiner Kindheit habe ich mir schon einen Hund gewünscht. Ein Dackel kam mir eher weniger in den Sinn, stattdessen war ich ein Lassie-Fan. Ein Wunsch, der ebenso wie jener nach einem eigenen Pony, leider unerfüllt blieb. Obwohl ich mich eigentlich nicht über mangelnde tierische Mitbewohner beschweren konnte. Da meine Eltern auf dem Land leben, hatten wir immer eine Katze, zeitweise auch Hühner, Enten, Goldfische, Gänse und Kaninchen. Nur einen Hund, den wollten meine Eltern nie. Vermutlich, weil sie schlechte Erfahrungen mit den Nachbarhunden gemacht hatten, die immer wieder ihre Hinterlassenschaften in unseren Garten platziert hatten.

Warum bisher ein Hund nie infrage kam

Während meines Studentenlebens habe ich in einer winzigen Einzimmer-Wohnung gewohnt, und war so oft auf Achse, dass der Gedanke, sich einen Hund zu holen, gar nicht erst aufgekommen ist. Als ich dann mit Herrn Schneyder zusammenzog, irgendwie auch nicht. Erst in den letzten Jahren ist der Wunsch nach einem Hund wieder an die Oberfläche gekommen. Allerdings war in unserer alten Mietwohnung kein Hund erlaubt und ehrlich gesagt wäre auch die nächste Grünfläche weiter entfernt gewesen. Keine ideale Ausgangslage für einen Hund.

Also zogen wir um und beschlossen, keine Kompromisse mehr zu machen. Ein Haus mit Garten und Hund musste her. Und so kam es, dass knapp eine Woche nach unserem Umzug in das neue Haus auch ein Welpe mit einzog.

Wie wir auf einen Dackel kamen

Vorweg: Ich habe großen Respekt vor Menschen, die einen Hund aus einer Tiernothilfe adoptieren. Nur habe ich es mir nicht zugetraut, als Mensch ohne jegliche Hundeerfahrung einen unter Umständen völlig verängstigten oder traumatisierten Hund aufzunehmen.

Lissi haben wir dann bei einer Züchterin aus Jülich gekauft. Wir haben die Elterntiere gesehen und die 8 Welpen, die wirklich entzückend miteinander gespielt haben. Ein einziges riesiges Fellknäuel sozusagen. Und wer kann einem treuen Dackelblick schon widerstehen? Für uns war klar: Das war Liebe auf den ersten Blick. Zwei Wochen später waren wir erneut dort und haben die Anzahlung geleistet.

Warum es letztendlich ein Dackel geworden ist? Ich wollte eigentlich erst einen größeren Hund, mit dem ich joggen gehen könnte und der mich in brenzligen Situationen verteidigen würde. Doch Herr Schneyder war mit einem Dackel aufgewachsen und schwärmte immer wieder von Dackel Cora und zeigte mir so niedliche Bilder von Dackelwelpen, dass wir uns entschlossen, uns die Dackelwelpen einmal vor Ort anzusehen. Denn trotz der kleinen Körpergröße ist der Dackel kein zerbrechlicher Hund. Im Gegenteil, ursprünglich dafür gezüchtet, bei der Jagd in einen Fuchs- oder Dachsbau zu treiben, ist der Dackel ganz schön robust.

Lissis Eltern sind ziemlich sportliche Dackel, bei denen der Bauch nicht immer den Boden schleift. Auch sind ihre Beine verhältnismäßig lang für einen Dackel. Die Züchterin versicherte mir, dass wir mit unserem Dackel auch joggen gehen könnten. Was für mich eines der entscheidenden Argumente war, nebst den dunkelbraunen Knopfaugen und dem einzigartigen Dackelblick.

Ein Welpe zieht ein

Die kleine Lissi zog in einer unglaublich stressigen Zeit ein: Wir waren gerade noch mitten im Umzug, mussten die alte Wohnung noch renovieren sowie unser neues Zuhause. Und mittendrin die kleine Lissi. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass Lissi von Anfang an gelernt hat, sich in unser Leben zu integrieren. Schnell hatte sie ihre beiden besten hündischen Freunde in der Nachbarschaft gefunden- eine Malteserhündin names Luna und ein belgischer Schäferhund namens Obelix.

Lissi war ein ziemlich abenteuerlicher Welpe. Nichts und niemand war vor ihr sicher und mit Vergnügen biss sie in meine Hand- und Fußgelenke, so dass ich so aussah, als wäre ich nicht nur eine Statistin in einem Bondagefilm gewesen. Meine Güte, sind diese kleinen Welpenzähnchen spitz!

Die Stubenreinheit hat relativ schnell funktioniert und ich bin froh, dass wir Lissi von Anfang an in unser Leben integriert haben. Fast überall hin wurde der kleine Welpe mitgenommen, was positiv zu ihrer Sozialisierung beigetragen hat.

Mit dem Dackel in der Welpenschule

Dackel im WintermantelEin Dackel ist ein Sturkopf, dass musste ich ziemlich schnell einsehen. Bei der Welpenschule bekam Lissi, während die anderen Hunde um die Gunst ihres Frauchens eiferten und brav im Slalom um die Hütchen liefen, meist Sonderaufgaben. So in ungefähr muss man sich wohl als Mutter eines hyperaktiven Kindes beim Elternsprechtag fühlen. I feel you.

Lissi dagegen war mehr an den anderen Hunden interessiert, anstatt das Slalomlaufen zu erlernen. Um die Hütchen laufen? Hey, es macht doch viel mehr Spaß, diese Dinger aus dem Weg zu schubsen. Nur bei dem durch den Tunnel laufen, da war Lissi ganz vorne dabei. Und das gerne mehrmals. Typisch Dackel eben.

Wie sich unser Leben mit Dackel verändert hat

Gerade in der aktuellen Corona-Situation, in der ich Vollzeit von zuhause aus arbeite, weiß ich unseren Dackel als regelmäßige Erinnerung, mich mehr zu bewegen, sehr zu schätzen. Denn im Ernst, es ist sehr verlockend, während tausend To Do’s einfach am Schreibtisch sitzen zu bleiben, um möglichst viel zu schaffen. Dank Lissi werde ich quasi dazu gezwungen, spazieren zu gehen und mich zu bewegen, egal bei welchem Wetter. Wobei Lissi Regenwetter absolut hasst. Da wird das Geschäft nur schnell erledigt und sich unter jeder halbwegs trockenen Ecke ausgeschüttelt. Auch zwingt mich unsere junge und wilde Hündin dazu, fokussierter zu arbeiten, da ich schließlich noch Zeit brauche, um sie entsprechend zu beschäftigen und zu erziehen. Denn das ein Dackel ziemlich viel Erziehung braucht, sollte jedem klar sein. Für mich, die Harmonie über alles liebt und anfangs eine gleichberechtigte Beziehung mit meinem Hund angestrebt hat, war Lissi eine ganz schöne Herausforderung. Im positiven Sinne, denn ich habe gelernt, bestimmter aufzutreten und auch mal streng zu sein.

Was Lissi noch lernen muss

Lissi hat einen Jagdtrieb und daher lasse ich sie im Wald nicht von der Leine. Im Frühjahr möchte ich sie gerne für ein Anti-Jagd-Training anmelden, damit sie lernt, ihren Jagdtrieb besser zu beherrschen. Dass sie Socken klaut, wo immer sie gerade einen Socken findet, finde ich absolut in Ordnung. Schließlich bin ich in den meisten Fällen selbst schuld daran, hätte ich sie einfach schneller wegräumen sollen. Auch die Tatsache, dass sie bei jedem Klingeln an der Tür wie ein Dobermann bellt, akzeptiere ich. Sie möchte eben ihr Rudel beschützen und passt höllisch auf. Ersetzt prima jede Alarmanlage und würde tatsächlich wahrscheinlich auch Einbrecher, die lediglich einen akustischen Eindruck von ihr bekommen, verscheuchen.

Fazit: Ein Dackel fürs Leben?

Definitiv. Ich möchte Lissi nicht mehr missen, mit ihrer wilden und fröhlichen Art bringt sie uns immer wieder zum Lachen und liebt es, Abends auf dem Sofa zu kuscheln und im Arm einzuschlafen. Was man aber als zukünftiger Dackelbesitzer unbedingt mitbringen sollte, ist ganz schön viel Geduld und Ausdauer und eine gehörige Portion Humor.

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