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Rezensionen

Rezension „Ungezähmt“ von Glennon Doyle

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Wie lange ist es her, seit ich ein Buch einer erklärten Feministin in die Hand genommen habe? Neben Roxane Gays „Bad Feminist“  fällt mir gerade keins ein, außer vielleicht „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood. Ein Buch, welches ich übrigens absolut empfehlen kann. Und auch die Serie zu dem Buch ist sehr sehenswert.

„Ungezähmt“ der Bestsellerautorin und Feministin Glennon Doyle habe ich in den letzten Tagen gelesen, zu einer Zeit, in der ich mich gerade selbst sehr stark mit Selbstreflektion und eigenen vs. gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetze.

 

Klappentext zu „Ungezähmt“

Der New-York-Times-Bestseller, von dem alle reden! Seit ihrem zehnten Lebensjahr strebt Glennon Doyle danach, gut zu sein: eine gute Tochter, eine gute Freundin, eine gute Ehefrau – so wie die meisten Frauen schon als Mädchen lernen, sich anzupassen. Doch statt sie glücklich zu machen, hinterlässt dieses Streben zunehmend ein Gefühl von Müdigkeit, Über- und Unterforderung. Glennon – erfolgreiche Bestsellerautorin, verheiratet, Mutter von drei Kindern – droht, sich selbst zu verlieren. Bis sie sich eines Tages Hals über Kopf in eine Frau verliebt – und endlich beschließt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Glennon Doyle zeigt uns, was Großes geschieht, wenn Frauen aufhören, sich selbst zu vernachlässigen, um den an sie gestellten Erwartungen gerecht zu werden, und anfangen, auf sich selbst zu vertrauen. Wenn sie auf ihr Leben schauen und erkennen: Das bin ich. Ungezähmt. (Quelle: Rowohlt Verlag)

Meine Meinung zu „Ungezähmt“

Glennon Doyles Grundhaltung, ihrem Plädoyer für radikale Selbstliebe und sich von gesellschaftlichen Erwartungen voll und ganz zu befreien, stimme ich voll und ganz zu. Die Art, wie Doyle darüber schreibt, ist sehr eigen. In vielen kurzen Geschichten, die chronologisch völlig ungeordnet sind, erzählt die Autorin voller Pathos aus ihrem Leben. Es klingt stark nach einem inneren Monolog der Selbstreflexion mit dem Ergebnis, zwar viel verbockt zu haben in der Vergangenheit, aber nach dem Befreiungsschlag wieder alles richtig gemacht zu haben. Denn Glennon Doyle steht zu hundert Prozent hinter ihren Entscheidungen. Die evangelikanische Kirche hat sie als bekennende Lesbe exkommuniziert? Egal, sie ist trotzdem eine gläubige Christin, die ihren Glauben als Kraftquelle sehr oft in dem Buch erwähnt.

Doyle trifft anscheinend den Nerv der amerikanischen Frauen. 1,4 Millionen Menschen folgen ihr derzeit auf Instagram und jedes ihrer Bücher wird ein Bestseller. Mit einer solchen finanziellen Basis im Rücken ist es vermutlich leichter, die Scheidung einzureichen und sich für ein neues Leben mit einer neuen Partnerin zu entscheiden. Für Frauen, die finanziell von ihrem Mann abhängig sind oder aus kulturellen Gründen ihren Mann nicht verlassen können, stelle ich es mir schwierig vor. Auf den Philippinen ist es z.B. per Gesetz verboten, sich scheiden zu lassen. Aber auch aus kulturellen Gründen kann eine Scheidung eine Frau ins gesellschaftliche Aus verfrachten. Glennon Doyle hat somit das Privileg, als Frau in einer westlichen Industrienation frei darüber verfügen zu können, ob sie sich für die Scheidung entscheidet oder nicht.

Schönheitsideale

Die Autorin litt jahrelang unter Bulimie, weil sie sich an den gängigen Schönheitsideale in Bezug auf den weiblichen Körper orientierte. Nun hat sie sich von den falschen Vorstellungen getrennt, was mir persönlich gar nicht aufgefallen wäre. Denn sie hat den Vorteil, schlank, blond und ein wenig wie Meg Ryan auszusehen. Auch ohne einem Schönheitsideal hinterher zu eifern, ist sie bereits eine schöne, attraktive Frau. Noch dazu ist sie weiß. Denn wenn eine weiße Frau schon wegen ihres Geschlechts kämpfen muss, wie fühlt man sich, wenn man nicht nur aufgrund seines Geschlechts und seiner Sexualität sondern zusätzlich aufgrund der Hautfarbe marginalisiert wird?

Zwar beschreibt Doyle in einem Abschnitt, ihre Einstellung zum Thema Rassismus, aber dennoch ist sie eben nicht in der Situation, eine farbige oder schwarze Frau zu sein. Was kein Vorwurf ist, aber eben Fakt.

Fazit zu „Ungezähmt“

Eine positive und richtige Grundeinstellung, allerdings war der Schreibstil nicht meins. Zu oft suggerierte die Art des Erzählers, die Autorin würde ihre Weisheiten mit der Welt teilen. Dies wirkte mitunter etwas überheblich. Vom Schreibstil her ist es definitiv eher für das nordamerikanische Publikum geeignet.

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