Cover Schamlos
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Rezension „Schamlos“

Hallo ihr Lieben,

ist das zu glauben? Wir haben schon Ende März . War nicht gerade erst Weihnachten? Ich gebe zu, mein Vorsatz der regelmäßigen Blogposts ist aus Kapazitätsgründen etwas vernachlässigt worden. Es kann nur besser werden 🙂

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Mich hat dieses wunderschöne Buch namens „Schamlos“ vom Thienemann-Esslinger Verlag erreicht. Schon allein das rosafarbene Cover mit der pinken Banderole ist ein echter Blickfang. In diesem Buch erzählen die drei Bloggerinnen Amina Bille, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz von ihren Erfahrungen als Muslima in einem westlichen Land.

Gelungenes Design

Ein feministisches Buch und Rosatöne? Warum nicht? Die optische Gestaltung des Buchs, immer wieder visuelle Statements, Interviews und Erzählungen in unterschiedlichen Pastelltönen und persönlichen Bildern der Autorinnen, halte ich persönlich für sehr gelungen. Das Buch habe ich sehr gerne gelesen und neben dem Design hat mich auch die Haptik des Buchs voll überzeugt.

Die schamlose Frau

Was bedeutet es, schamlos zu sein? Schon auf den ersten Seiten geben die Autorinnen eine Erklärung:

Lässt man sich das Wort auf der Zunge zergehen und überlegt, was es eigentlich bedeutet, bekommt es etwas Befreiendes: Schamlos. Frei von Scham.

In diesem Sinne sind wir tatsächlich schamlos, wenn es synonym dafür steht, dass wir die Scham nicht annehmen, die andere uns auferlegen wollen. Und natürlich sind wir schamlos, wenn schamlos gleichbedeutend mit Freiheit ist. (aus: Schamlos, S.7)

Für mich war es tatsächlich fast wie ein Schock, dass Frauen aus muslimischen Familien noch immer so unterschiedlich aufwachsen. Meine Mutter ist selbst ursprünglich aus einem anderen Land, doch ich habe speziell keine großartige soziale Kontrolle aufgrund ihrer nicht-westlichen Herkunft gemerkt. Vielleicht hängt dies mit ihrem Wunsch zusammen, sich zu assimilieren und trotzdem etwas Eigenes daraus zu machen.

In der muslimischen Kultur ist es anscheinend von großer Bedeutung, eine ehrbare Frau zu sein. Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen. Aber was ist mit den Männern? Wenn sie nicht auch ehrbar wären, gäbe es keine Übergriffe mehr auf Frauen. Wieso soll sich eine Frau verhüllen, nur weil der Mann unter mangelnder Impuls-/ bzw. Triebkontrolle leidet? Müsste man nicht eher daran arbeiten? Eine Art Desensibilisierung?

Einsichten in ein Paralleluniversum

Für mich war das Buch „Schamlos“, wie durch ein geheimes Guckloch zu schauen. Inwieweit will man Traditionen aus dem Herkunftsland bewahren und wie will man diese mit dem Gedanken der Selbstbestimmung eines Individuums kombinieren?

Was bedeutet es, sich für den Hijab zuentscheiden? Er ist mehr als nur ein bloßes Stück Stoff, vielmehr ist er ein Statement, eine Weltanschauung. Gleichzeitig bedarf es Kraft, sich aus eigener Motivation und eigenem Willen zum Tragen eines Hijab zu entscheiden. Ich persönlich finde es sehr schade, dass gerade im höheren Management so wenige Frauen vertreten sind und noch weniger Frauen mit Hijab.

Appell an eine tolerante Gesellschaft

„Schamlos“ möchte ich allen ans Herz legen, die einen Einblick in das Leben von muslimischen Frauen in Europa bekommen möchten.  Allem zugrunde liegt der Appel an eine tolerante, multikulturelle Gesellschaft, in deren Mittelpunkt gegenseitiger Respekt und Menschenwürde stehen. Ich selbst hätte mir allerdings noch ein differenziertes Bild der Autorinnen gewünscht. Beispielsweise die Erfahrungen einer gemischten Frau oder einer Muslimin, die überhaupt nicht muslimisch, sondern westlich aufgewachsen ist.


Schamlos von Amina Bille, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz

Erschienen am 11.Februar 2019

Thienemann-Esslinger Verlag

168 Seiten

ISBN: 978-3522305211

15,00 € [D]

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