Ramen Otaku Cover
Rezensionen

Rezension „Ramen Otaku“ von Sarah Gavigan

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Kochbücher mag ich selbst unglaublich gern. Die meisten Kochbücher wirken von der grafischen Gestaltung her sehr ästhetisch und etwas Abwechslung tut dem Küchenplan immer wieder gut, oder?

Ramen-Nudeln esse ich persönlich total gerne, ich finde es einfach total hyggelig, vor allem im Winter den Duft der dampfenden, heißen Brühe und die verschiedenen Zutaten zu riechen und anschließend die Suppe zu genießen. In Düsseldorf gibt es auch einige Restaurants, in denen man wirklich leckere Ramen-Suppen genießen kann.

Also, warum nicht einmal selbst probieren? So schwer kann es eigentlich nicht sein, dachte ich…

Ramen zubereiten ist zeitintensiv

Tja, falsch gedacht. Sarah Gavigan, Inhaberin eines eigenen Ramen- Restaurants in Nashville, beschreibt im Kochbuch „Ramen Otaku“, wie man Ramen-Suppen zubereitet. Eben mal schnell ist nicht drin. Schon allein um die Brühe zu kochen, bedarf es eines ganzen Tages. Tja, neige ich zu Ungeduld und nutze das Wochenende, um die ganzen Sachen zu erledigen, die ich unter der Woche nicht mehr geschafft habe. Den ganzen Tag nur zu kochen ist sicherlich nicht meine Lieblingstätigkeit an einem Sonntag und dummerweise ist unser kompletter Wohnbereich inkl. Küche offen. Sprich, es riecht dann auch überall. Ein weiteres Problem habe ich als ehemalige Vegetarierin mit dem Verwenden von Hühnerfüßen und Schweineknochen, auch wenn ich weiß, dass es Teile vom Tier sind, die sonst wahrscheinlich ungenutzt im Abfall landen würden. Aber irgendwie habe ich ein Problem damit. Eine vegetarische Brühe wäre mir wahrscheinlich lieber.

Was ist ein „Ramen Otaku“?

Sarah Gavigan übersetzt den Begriff „Ramen Otaku“ als Ramen Nerd, sprich, jemand, der alles über Ramen lernen möchte und verrückt danach ist. Und mir alles meine ich wirklich alles, von ausgewählten Zutaten bis hin zur optimalen Methode, eine Brühe herzustellen. Jemand, der das ganze Leben nach Ramen ausrichtet und Ramen als Kult sieht.

Als Nicht-Asiatin Ramen kochen

Sarah Gavigan setzt sich in ihrem Buch „Ramen Otaku“ auch mit der Frage auseinander, inwieweit ihre Ramen authentisch sind. Denn Sarah Gavigan ist keine Asiatin, ohne professionelle Kochausbildung und ohne jahrelang in Japan gelebt zu haben. Hier ihre Antwort.

Ich bin eine weiße Frau mittleren Alters, Mutter und Ehefrau. Ich bin keine Asiatin, und ich bin keine tätowierte Köchin mit einem flachen Hut und ein paar schlagfertigen Sätzen, die man auf Instagram posten kann. Ich schlachte nicht meine eigenen Schweine. Hält mich das davon ab, eine großartige Schüssel Ramen herzustellen? Nein. Muss man Asiat sein, um zu wissen, wie man eine großartige Schüssel Ramen macht? Nun, mit einem Wort: NEIN. (…) Wir können in den USA keine japanischen Ramen herstellen und werden es auch nicht versuchen. Was wir aber tun werden, ist die Grundlage für eine großartige Schale Ramen zu schaffen und den Geschmack und die Textendes Mutterlandes (überwiegend) mit Zutaten aus Ihrer eigenen Umgebung herzustellen. (aus Ramen Otaku, S.10)

Abgesehen davon, dass die Autorin „großartige Schale Ramen“ 3x in diesem kurzen Text erwähnt, finde ich das Thema kulturelle Aneignung schwierig. Allerdings bringt die Autorin und Köchin der japanischen Esskultur sehr viel Respekt entgegen und ich finde es eine gute Initiative, in Nashville, einer Stadt, in der es wahrscheinlich nicht so viele Japaner gibt wie zB in Düsseldorf, ein Ramen-Restaurant zu eröffnen, um der lokalen Bevölkerung japanische Ramen anzubieten. Dadurch, dass Gavigan traditionelle Ramen mit lokalen, saisonalen Lebensmitteln kombiniert, entsteht wieder eine ganz eigene Art von Ramen.

Faszination Ramen

Was mich an dem Buch fasziniert hat, ist die enorme Energie, mit der sich Sarah Gavigan an das Kochen der Ramen macht. Dann wird eben den ganzen Tag gekocht für eine Schale Ramen, die in 10 bis 15 Minuten aufgegessen, bzw. geschlürft wird. Denn das Schlürfen ist, dessen zu betonen wird die Autorin nie müde, überaus wichtig, um die Ramen voll genießen zu können.

Ich bin auch nach der Lektüre des Buchs noch überaus begeistert von Ramen, werde aber höchstwahrscheinlich eher eins der japanischen Restaurants in der Umgebung aufsuchen. Denn so ein Küchengöttin bin ich nicht, dass ich meinen freien Tag in der Küche verbringen möchte. Nichtsdestotrotz habe ich einen tiefen Respekt gegenüber den passionierten Köchen, die sehr viel Zeit und Geduld in dieses köstliche Gericht investieren.

Dieses Buch empfehle ich all jenen, die mit Begeisterung einen ganzen Tag in der Küche verbringen und gerne kreativ kochen, ohne Scheu vor gewagten Eigenkreationen.

 

 

 

 

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