Für die Familie Coverbild
Rezensionen

Rezension “Für die Familie” von Katja Stenzel

Ich freue mich immer wieder, Debütromane von talentierten Autor*innen im Selfpublishing zu lesen. So auch bei dem Erstlingswerk “Für die Familie” von Katja Stenzel, die ihr vielleicht als artgenossin_ auf Instagram kennt.

Wovon “Für die Familie” handelt

Kims Leben scheint perfekt: Sie ist rebellisch, frech und talentiert. Obendrein verhilft ihr die richtige Portion Skrupellosigkeit dazu, immer ihren Willen zu bekommen.
Niemand würde ahnen, wie kaputt Kims Familie ist. Niemand weiß, dass ihre Verlustängste sie begleiten, wohin sie auch geht. Denn sie versteht es wie keine Zweite, arrogant und kühl aufzutreten. Seit Jahren jagt eine Party die nächste, und ihr Charme treibt Kim in die Arme ständig wechselnder Kerle. Sie hat vor, diesen Sommer genauso weiterzumachen.
Doch ein Vorfall in ihrer Familie ändert alles, und sie wird mit ihren Gefühlen konfrontiert – auch mit denen für Dan… (Quelle: bod.de )

Kim- eine Protagonistin mit Ecken und Kanten

Besonders positiv empfand ich die Tatsache, dass es sich hier nicht um einen New Adult Roman aus deutscher Feder handelt, der an einem amerikanischen College spielt, sondern in Berlin. Kim, die 18-jährige Protagonistin, passt perfekt zu Berlin, einer Stadt, die ebenso rau, überraschend und bunt ist wie Kim selbst.

Da ich selbst schon einiges älter bin als Kim, ja sogar ihre Mutter sein könnte, wenn ich mich in jungen Jahren zu einem Kind entschieden hätte, hat Kims Verhalten oft Kopfschütteln in mir geweckt. Wie kann man so ein selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag legen? Dabei ist ihr hedonistisches und ihre sarkastische Art ein Hilfeschrei. Denn so hart sich Kim nach außen hin gibt, so groß ist doch ihr inneres Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Leider bemerkt dies kaum jemand in ihrer Familie, denn ihre Mutter Audrey ist vor 5 Jahren gestorben und seither hat sich die Familie entfremdet. Wie gut, dass es noch Großmutter Maria gibt, die Kim immer wieder mit offenen Armen empfängt.

Schreibstil und Lesefluss

Ich bin gut in die Geschichte hineingekommen. Die Geschichte wird abwechseln aus Kims und Marias (Kims Großmutter) Perspektive erzählt. Somit besteht das Buch zu großen Teilen aus inneren Monologen, was eine melancholische Grundstimmung bei mir als Leserin hervorruft. Leser*innen, die einen Feel-Good-Roman suchen, werden mit diesem Roman wohl eher nicht glücklich werden.

Die Seiten habe ich schnell umgeblättert, alles war stimmig und auch das Ende fand ich sehr schön.

Wie ich “Für die Familie” empfunden habe

Ich würde das Buch jungen Leserinnen ab 14 Jahren empfehlen, die selbst noch nicht wissen, was sie eigentlich wollen und orientierungslos sind. Denn nach dem Schulabschluss stehen so viele wichtige Entscheidungen an, die wichtig sind für das zukünftige Leben. Ausbildung oder Studium? Sich für das entscheiden, was einem Freude bereitet oder lieber den Beruf, der ein stabiles Einkommen ermöglicht? Lieber ein reicher Unternehmer werden oder ein armer, unentdeckter Künstler? Sich über die Zukunft Gedanken machen oder unbeschwert in den Tag hinein leben?

Vor diesen Entscheidungen steht Kim gerade. Und auch im Liebesleben wird sie vor eine Entscheidung gestellt, die ihr nicht gerade leicht fällt. Kim fehlt eine ältere Bezugsperson, die ihr Halt gibt und die ihre Verletztheit trotz der harten Schale bemerkt.

Die Autorin Katja Stenzel hat das Schicksal dreier Generationen miteinander verwebt, wobei ich gerne noch mehr von Maria und ihrem Sohn Sebastian erfahren hätte. Doch der Fokus liegt auf Kim, die denkt, ihre Familie sei völlig kaputt. Doch manchmal muss man nur den Blickwinkel wechseln und über den eigenen Schatten springen..

Mein Fazit

“Für die Familie” ist das gelungene Debüt der Autorin Katja Stenzel, die auch das wunderschöne Cover selbst gestaltet hat. Es ist ein etwas anderer New Adult Roman, den ich Leserinnen ans Herz legen würde, die sich von der Welt ausgestoßen und missverstanden fühlen. Die eine Stimme brauchen, die ihnen im Meer der Orientierungslosigkeit mitteilt: “Du bist nicht allein. Du wirst geliebt. Du wirst deinen Weg gehen.“

 

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