Friday Black
Rezensionen

Rezension “Friday Black”

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It’s Friday – yeah! So oder ähnlich begrüssen wohl die meisten von uns das Wochenende. In “Friday Black”, einer Sammlung von 12 Kurzgeschichten des Autors Nana Kwame Adjei-Brenyah ist der Freitag allerdings nicht der Vorbote des Wochenendes. Die Kurzgeschichten sind dystopisch und wirken auf mich auf den ersten Blick sehr verwirrend.

Friday Black- Wie eine (negative) Zukunft aussehen könnte

Die Titelgeschichte “Friday Black” verzerrt den amerikanischen Black Friday, an dem traditionellerweise Artikel online und offline zu Schnäppchenpreisen angeboten werden, bis ins Groteske. Die Menschen prügeln sich um Sonderangebote, in dem Wissen nur am Black Friday sich gewisse Dinge leisten zu können. Ihr Sprachvermögen wird durch das an die Oberfläche kommende Es freigelegt und die Menschen verlieren nicht nur ihr Sprachvermögen, sondern buchstäblich auch die Moral. Sie gehen über Leichen, kämpfen um die besten Schnapperartikel. Die Leichen werden in einer Ecke des Ladens gestapelt und nur mit einem Achselzucken gewürdigt. Ist eben so.

Beim Lesen der Geschichten war ich zunächst etwas verwirrt. Irgendwann habe ich mich jede auf die Geschichten und ihre Absurdität eingelassen, denn das ist die Freiheit der Literatur: Sich Dinge ausdenken zu können ohne jeglichen Bezug zur Realität. Manche Ungerechtigkeiten spitzt der Autor bis ins Unermessliche, wie z.B. den Rassismus gegenüber der dunkelhäutigen Bevölkerung. Auch als Nicht-Schwarzer wird man dazu gezwungen, eine andere Perspektive einzunehmen. Die Veränderung des Blickwinkels als Stilelement hat mir sehr gut gefallen. Manche Geschichten zeigen Hoffnung auf, andere weniger. Gemeinsam ist, dass eine negative Zukunft und deren Folgen aufbeschworen werden.

Die Botschaft von Friday Black

So verwirrend und absurd die Geschichten in Friday Black auch sind, sie haben mich berührt. Oft konnte ich die Plottwists nicht vorhersagen und dachte nur: »Wow, wie kommt der Autor nun auf diese Idee?«

Gerade dieses Aufrütteln beherrscht Adjei-Brenyah meisterhaft. Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich mich ins Buch gefunden habe. Dann aber offenbarte sich mir die Erzählkunst des Autors, der mit seinen Erzählungen sämtliche Konventionen sprengt. Kein Wunder, dass sich Universal Pictures die Filmrechte für die Titelstory gesichert haben!

Mein Fazit zu Friday Black

Man muss sich auf dieses Buch einlassen. Es ist kein Buch, welches man gemütlich zu Kaffee und Kuchen verschlingt. Gute Laune kommt bei den düsteren Geschichten nicht auf. Stattdessen entsteht ein eher ungutes Gefühl im Bauch, welches auf Ungerechtigkeiten und auf das Überschritten von moralischen Normen hindeutet. Was wäre wenn sich die Opfer von Rassismus doppelt und dreifach zur Wehr setzen würden? Sie Rache ausüben würden wie das jüngste Gericht? Damit befasst sich der Autor z.B. in der Geschichte “Finkelstein Five”.

Es ist keine leichte Kost, aber so soll Literatur auch sein: Unbequem und Augen öffnend. Eine klare Leseempfehlung an alle, die einen anderen Blickwinkel einnehmen möchten.

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